Liebe Kathrin

Ich bin gerade daran, den Salat für das Nachtessen zu waschen. Da läutet es an der Türe. Nanu! Ich erwarte niemanden. Ach, es muss einer der Fahrenden sein. Die wollen mir jedes Jahr Messer und Scheren schleifen, Besen oder selbst geflochtene Körbe verkaufen. Ich streife meine nassen Hände an der Schürze ab und gehe zur Türe.

Ein junger, blondgelockter Mann steht draussen. Er lächelt mir zu.

«Was wollen Sie?», frage ich ihn unwirsch, «Meine Messer sind alle noch scharf und von Ihren geflochtenen Körben haben wir bereits zu Genüge.»

Er lächelt noch immer. Er hat aussergewöhnlich blaue Augen. Nicht stahlblau, nicht ein wässriges Blau. Nein es ist das Blau eines Sommerhimmels am Nachmittag, wenn du geradewegs in den Himmel hinaufschaust. Ein unglaubliches Himmelsblau.

«Darf ich hereinkommen?»

Ich starre den Fremden an, mache unwillkürlich einen Schritt beiseite, er tritt ein, zieht seine silbernen Schuhe aus und stellt sie sorgsam auf das Schuhregal. Silberne Schuhe, als wären sie aus einem metallischen Material.

«Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten?», ich fasse es nicht, was ich da tue. Ihn hereinlassen, ihn zu einem Kaffee einladen. Der Unbekannte gleitet wie schwebend hinter mir zur Küche hin und nimmt die Tassen aus dem Schrank, derweil ich den Wasserkocher mit Wasser fülle und danach drei Löffel Kaffee in den French Press gebe.

Der Fremde gleitet zum Esstisch, nimmt zwei der Sets, die ich über die Stuhllehne gelegt hatte, als ich den Tisch abwischte, gleitet zu mir zurück in die Küche, nimmt den Rahm aus dem Kühlschrank, ergreift mein Kaffeegewürz, gleitet zurück und setzt sich an den Tisch, just auf den Platz gegenüber meinem Stammplatz. Er scheint sich auszukennen.

Was tue ich nur? Bin ich überrumpelt? Paralysiert? Ganz von Sinnen? Ich schenke ihm Kaffee ein, dann mir, setze mich auf meinen Stuhl. Er lächelt mir unbeirrt weiter zu.

Er scheint nicht mehr so jung wie gerade eben. Ich entdecke graue Strähnchen in seinem zuvor noch makellos lockig blonden Haar.

«Ich bin Hermes», ergreift er das Wort, «und hole dich ab.»

Ich starre ihn an. Mittlerweile ist sein Haar grau und feine Fältchen haben sich um seine himmelblauen Augen gebildet und rings um den immerzu lächelnden Mund eingegraben.

Mir stockt das Herz. Das muss der Tod sein, der mich nun holt, durchfährt es mich. Ich habe es geahnt. Es ging mir nicht so rosig in letzter Zeit. Ich hatte ein Stechen in der Brust, Schmerzen beim Atmen, nachts war mir oft übel...

Das muss der Tod sein.

Hermes lächelt und lächelt. Lacht er mich aus? Er scheint nun wieder jünger, holder.

Ja, das muss der Tod sein. Aber jetzt schon? Ich hatte doch Pläne! Ich wollte doch…! Ich wollte… Mir stockt der Atem.

«Nur keine Angst», beschwichtigt mich Hermes, «Trink den Kaffee aus, dann gehen wir. Oder warte einen Moment!»

Er steht auf, geht zum Regal, wo wir Gin, Pastis, Grappa, den diabolisch süffigen Clément und weiss der Teufel noch alles aufbewahren, ergreift zielsicher eine Flasche mit der bernsteinfarbenen Flüssigkeit, entnimmt dem Schrank ein kleines konisches Glas und schenkt mir ein.

Der Armagnac rinnt meine Kehle hinunter und wärmt mir die kribbeligen Eingeweide.

Ach Kathrin! Mir ist so weh! Ich wollte doch noch eine Geschichte schreiben! Mindestens! Mehr Zeit mit meinen Liebsten verbringen, auch mit dir! Wohin geht es bloss?

«Zieh dir warme Kleidung an», unterbricht Hermes meine düsteren Gedanken, «Wobei – ich habe da schon einiges für dich bereit.»

Und unvermittelt holt er eine flauschige Felljacke hervor, lederne Schuhe, die mit flauschigem Fell ausgekleidet sind, eine ebenso gefütterte Mütze. Er trinkt den Kaffee mit einem Zug leer und heisst mich mitzukommen.

Ich schaue durch die Fenster und erschaudere. War da nicht eben noch ein zarter Herbstnebel, mehr ein sanfter Dunst, welcher die Bäume und Sträucher weichzeichnete? War da nicht eben noch eine milchig fahle Sonne, die eine sanfte Wärme versprach? Jetzt schneit und hudelt und stürmt es. Ich ergreife die warmen Kleider und streife sie folgsam über. Hermes schlüpft in seine silbernen Schuhe. Erst jetzt gewahre ich, dass oberhalb seiner Knöchel goldene Flügelchen sitzen.

Draussen wartet eine Kutsche und ungeduldige Pferde. Mir stockt der Atem: Vier schwarze Pferde.

Im Hui geht es los.

Habe ich die Haustüre abgeschlossen?

Prolog

Benjamin, du Guter. Es könnte so schön sein hier! Eine milde Herbstsonne taucht die hügelige Landschaft vor mir in ein warmes Licht.

Ich sitze mit meinem Nähkörbchen an meinem gewohnten Platz in der jetzt kurz geschnittenen Wiese vor dem Schloss. Hinter mir die rosenumrankte Mauer, welche den Palastgarten einfriedet. Habe ich dir je erzählt, dass hier siebenundzwanzig verschiedene wilde Rosenarten die alten Mauern bedecken? Ich muss immerzu an jenes Märchen denken, wo eine Jungfrau einhundert Jahre lang in einem verwunschenen, von Dornengestrüpp umrankten Schloss geschlafen hat. Bis der Prinz kam und sie küsste. Wenn doch...! Ach, wenn es doch so einfach wäre!

Die Rosen sind der ganze Stolz des alten Mannes, der sie hegt und pflegt, sich täglich um sie kümmert. Hatten wir auch einen Gärtner, der sich so viel Mühe gab?

Der alte Mann hat für mich zwei Sorten weiss blühende Sternenblumen gepflanzt, damit ich nicht in den Wald muss, um die weissen Blüten mühselig zu suchen. Beide, die Sternmiere und der Stern von Bethlehem blühen wider Erwarten noch immer. Magdalena, eine der Küchenmägde, pflückt mir die Blüten. Auch Samuel, der Stallknecht. Es ist ein unausgesprochenes Geheimnis zwischen uns, ein geheimes Abkommen.

Ob unser Gärtner ebenfalls all die vielen Stauden mit Namen kannte? Ich kann mich kaum noch erinnern. Kaum an unsere Mutter, die schon lange von uns gegangen ist, kaum an das Schloss, in welchem wir zuletzt weilten, am ehesten an unseren Vater. Der Vater, den ich täglich ungeduldig erwartete, hoch oben, in dem kleinen Zimmerchen, am offenen Fenster der Dachgaube, von wo ich beinahe den ganzen Wald überschauen konnte. Das glaubte ich damals zumindest.

Ob da auch ein Gärtner waltete?

Der alte Mann hier macht sich einen Spass daraus, Beete mit Stauden einer einzigen Blütenfarbe anzupflanzen. Solche die früh im Jahr blühen, andere deren Blütezeit im Sommer liegt, und solche, die erst im Herbst ihre Blütenpracht entfalten.

Hier, an diesem sonnigen Platz vor den Rosen blühen derzeit rosarote Malven und Esparsetten, kriechender Hauhechel und wilder Thymian. Früher im Jahr haben mich die rosa Blüten der Heidenelken erfreut, danach diejenigen der satt purpurroten Jupiternelken. Dies sind nur jene Blütenstauden, deren Namen ich mir merken konnte.

Weiter gegen Osten schliesst ein Beet mit blauen Glockenblumen an, auch Teufelsabbisse gedeihen dort, die ich kaum von den Witwenblumen unterscheiden kann, hohe, sparrige Wegwarten und zuvorderst im Beet, beinahe unscheinbar, bedecken Kugelblumen mit ihren löffelförmigen Blättchen die Erde.

Ein gelb blühendes Beet gibt es nicht. Gelb, sagt der alte Mann, gelb gehört überall hin.

Einmal habe ich ihn schimpfen hören. «Jetzt ist sie schon wieder ausgerissen, diese Freche!», dann hat er mich bemerkt und herzlich gelacht. «Nehmt es mir alten Mann nicht übel. Manchmal spreche ich mit mir selbst. Die Färberkamille ist ausgerissen. Nicht wirklich. Ich habe einige die gelb blühenden Färberkamillen letztes Jahr in dieses Beet hier gesetzt, doch schaut nur: Der Standort hat ihnen offensichtlich nicht behagt. Hier blühen nur Mutterkräuter, Graslilien und die geduldigen Gänseblümchen. Doch dort», er hat auf einen der Wege gezeigt, welche kreuz und quer durch den riesigen Park des Palastes führen, «dort, zwischen den Schieferplatten wächst eine Färberkamille! Eine einzige! Jetzt müsste ich sie entfernen, damit die Wege gepflegt aussehen, so des Königs Anweisung», und nachdenklich, «Ich kann unmöglich die einzige Färberkamille weit und breit weg jäten.» Da hat er mich ein wenig verschmitzt angeschaut: «Ich sehe es dir an, ich soll sie retten!», und mit einem gespielten Seufzer, «Ihr habt ja recht. Ich entferne sie sorgfältig und setze sie in einen Topf. Den stelle ich vor Euer Fenster, damit Ihr Euch jeden Tag daran erfreuen könnt.» Das hat er dann getan.

Der alte Mann spricht mit mir, als würde ich ihm antworten können und nicht unentwegt schweigen. Er spricht mit mir, als kenne er meine Antworten. Das tut auch Berta, die freundliche Köchin, Magdalena, die Küchenmagd und Samuel, der Stallknecht. Sie erzählen mir oft Geschichten über das Schloss und den Hofstaat. Andere aber schauen mich scheel an oder ignorieren mich. Manche funkeln boshaft oder spucken sogar in meine Richtung. «Macht Euch nichts draus!», tröstet mich dann der alte Mann. Sie können nicht anders. Erfreut Euch an den schönen Dingen.»

Schön ist es hier, fürwahr. Diese liebliche, hügelige Landschaft! Mit den Wäldchen und Gebüschen entlang der Bäche! Da und dort blitzt das Blau eines kleinen Sees oder Weihers auf. Zwischen den Hügeln liegt Weideland, wo sich Schafe, Ziegen oder Rinder tummeln, und Äcker, die jetzt, zu dieser Jahreszeit, grösstenteils abgeerntet sind. Die Weinlese hat begonnen. Ich höre die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Weinbergen singen.

Ich schreib dir jetzt nicht, wie bange mir ist. Das weisst du längst.

Ich sitze hier, umgeben von dieser Pracht und werde nächstens Stift und Papier auf die Seite legen und weitersticheln. Noch etwa zweihundert Blütenblättchen, und das fünfte Hemdchen ist bereit. Fünf von Sechsen! Ich werde mich an mein Versprechen halten, werde weiterhin unentwegt nähen. Nähen und schweigen. Und mich keinesfalls entmutigen lassen.

Ja, eines noch: Heute soll eine Märchenerzählerin eintreffen. Hermes hole sie ab, wurde mir gesagt. Alle scheinen aufgeregt und voller Vorfreude. Berta und die Mägde werkeln eifrig in der Küche, die Bediensteten schleppen Stühle und Tische in den Park. Der alte Mann wischt die Wege und bindet da und dort einen Trieb der Rosen zurück.

Magdalena hat mir viel von der Märchenerzählerin erzählt. Diese würde nicht einfach ein Märchen erzählen, nein, sie, die Bediensteten, die Königin, der König, die Prinzessinnen und Prinzen, sie alle würde eine Rolle darin spielen. Manchmal nähme das Märchen einen völlig anderen Verlauf als geplant. Es sei schade, dass ich stumm sei und nicht mitspielen können. Aber allein das Zuhören würde mich aufmuntern, es würde eine anregende Abwechslung von meiner Näharbeit sein.

Nie lasse ich mir einen Hauch meiner Gefühle anmerken. Ich lächle nicht, ich weine nicht. Magdalena scheint mitunter direkt in mich hineinzuschauen. Nein, sie sieht nicht alles. Das wäre schlimm. Doch bisweilen überrascht sie mich mit ihren Feststellungen über meine Empfindsamkeit.

Höre ich etwa das Gebimmel von Glöckchen, das Wiehern von Pferden? Ich sehe – nein vielmehr ich ahne – oder wünsche ich es mir? – Wie dem auch sei: Ich sehe in der Ferne eine Kutsche entlang der Felder und Äcker fahren. Könnte es sein, dass die Märchenerzählerin und Hermes angereist kommen? Hermes, welcher meinen Brief an dich mitnehmen wird?

Mir ist bange. Ich bebe, zittere. Doch, Brüderchen, diesmal weiss ich nicht, weshalb.

– 1 –

«Freust du dich?» Ich schaue Hermes verwirrt an, der es sich sichtlich vergnügt mir gegenüber auf dem braun glänzenden, ledernen Sitz der Kutsche bequem gemacht hat.

«Weshalb sollte ich mich freuen? Es ist doch viel zu früh?», wage ich zu erwidern.

«Zu früh?», er wirkt ein wenig konfus, «Wir kommen zum genau richtigen Zeitpunkt an. Es wird alles vorbereitet sein!»

«Ich hatte doch noch Pläne!», rufe ich leicht verzweifelt aus, «zumindest hätte ich das Kaffeegeschirr abräumen müssen.»

Hermes lächelt schalkhaft: «Sie macht sich Sorgen um das Kaffeegeschirr! Das Kaffeegeschirr! Haha! Der Kaffee in deiner Tasse wird noch warm sein, wenn wir zurückkehren!»

«Dann habe ich nur so eine Art Nah-Tod-Erlebnis», meine Stimme zittert.

Hermes lacht schallend auf. «Ja, ahnst du denn nicht, wohin wir fahren?»

«In den Hades? Die Zwischenwelt?»

«Um Himmels Willen, nein!»

«Wohin denn?»

Hermes schaut mich nachdenklich an. «So unrecht hast du nicht. Manchmal begleitete ich tatsächlich die eine oder andere Person zum Hades oder in eine der Zwischenwelten. Aber das ist schon lange her. Heutzutage bin ich mehr ein Bote oder Kurier. Jetzt gerade begleite ich dich.»

«Wohin denn?»

«Ja, wurdest du denn noch nie abgeholt?»

«Abgeholt?»

«Letztes Jahr, oder vorletztes, dein Spaziergang im Nebel, der Mann, der plötzlich auftauchte?», hilft er mir auf die Sprünge.

«Du bringst mich in die Märchenwelt? Zum Schloss? Wo blühende Rosen die Schlossmauer umranken und auch die Mauern des Palastes? Wo im Park ein wunderschöner, ein prächtiger Apfelbaum blüht und im Herbst unter der Last goldroter Äpfel beinahe ächzt? Wo der alte Mann die Wege wischt, oder die Rosen schneidet? Wo ich auf der hölzernen Bank unter dem Apfelbaum sitzend direkt durchs Schlosstor weit ins liebliche Land schauen werde? Das liebliche Land mit den sanften Hügeln und kleinen Wäldchen, Wiesen, Weiden und Äckern, wo dazwischen da und dort kleine Weiler liegen? Wo ich die Pferde in den Ställen ungeduldig scharren und schnauben höre oder auf der Weide wiehern? Wo Schwalben herumschwirren und hoch in den Lüften Milane kreisen. Wo Kinder im Schlosshof fangen oder verstecken spielen? Wo Berta und Magdalena die Küche befehligen und köstliche Speisen zubereiten?» Atemlos halte ich inne.

«Ich sehe, Ihr kennt die Gegend», lächelt Hermes verschmitzt und wechselt unvermittelt vom Du zu Ihr, wie es im Märchenland üblich ist.

«Ihr irrt Euch! Das Wetter stimmt nicht!», rufe ich erschrocken aus.

«Was soll nicht stimmen?»

«Im lieblichen Land, dort wo der Palast inmitten des wunderschönen Parkes gleich einer unbezwingbaren Burg steht, da ist es nie Winter. Es ist Frühling, Sommer oder Herbst. Ich halte mich unentwegt draussen auf, selten einmal in der Küche bei Berta. Ich sitze im Freien unter dem Apfelbaum oder mache einen Spaziergang um die Schlossmauern herum, wandle durch den ausgedehnten Park mit seinen lieblichen Wäldchen und dem verwunschen Seerosenteich. Mache Ausritte hoch zu Ross oder Ausfahrten mit der Kutsche. Doch nie, nie, nie hat es je im lieblichen Land geschneit.»

«Ihr vergesst, meine Liebe», und Hermes deutet tatsächlich eine Verbeugung an, «wir befinden uns auf dem Weg ins Märchenland. Noch sind wir nicht dort», er schaut durch die Fenster der Kutsche ins dichte Schneegestöber hinaus, «oder vielmehr: beinahe noch nicht.»

Kaum sind seine Worte verklungen, da klart es mit einem Mal auf. Die Sonne bricht durch, sodass die Schneekristalle aufleuchten und blitzen, dass ich einen kurzen Moment wie geblendet wegblicke. Wir fahren oder fuhren durch einen dichten, tief verschneiten Wald, die Äste der Bäume müssen beinahe die Kutsche berührt haben.

Jetzt aber breitet sich vor uns ein wunderschönes Land aus, es ist ein Déjà-vu. Mir stockt der Atem ob der Schönheit und Friedlichkeit dieser Landschaft, die da vor mir liegt. Schon meine ich in der Ferne die goldene Spitze des Schlossturm zu erblicken. Ich schliesse die Augen. Ich höre das Geläut einer Kirchenglocke in der Ferne. Das Gezwitscher von Schwalben und die schrillen Rufe der Mauersegler, die durch die Lüfte gleiten. Das Meckern von Schafen und Ziegen, das Gegacker von Hühnern und Gänsen.

Ich bin angekommen.

«Ich bringe Euch zum Schloss», unterbricht Hermes meine Gedanken, «Ihr könnt Euch übrigens der warmen Kleidung entledigen. Es ist jetzt angenehm mild draussen.»

«Ihr begleitet mich zum Schloss? Doch sagt, bleibt ihr auch dort?», frage ich ihn neugierig

Er blickt mich geradewegs an. «Ob ich bleibe?» Er scheint nachzudenken. «Vielleicht, vielleicht nicht.»

«Wart Ihr denn einmal dort?»

«Ihr meint im Schloss oder während eines Märchens?»

«Während eines Märchens. Also wart Ihr schon einmal dort...», ich zögere, «oder gar dabei?»

«Mag sein», weicht Hermes aus.

«Jetzt macht Ihr mich neugierig!»

«Ich war mal ein Stallknecht», lächelt Hermes schalkhaft, «einmal ein Prinz und ...»

«Und?»

«Einmal der König!»

«Und diesmal?»

«Ihr wisst bereits, welches Märchen Ihr erzählen werdet?»

Da überläuft es mich heiss und kalt.

«Nein, ich habe keine Ahnung. Ich bin noch nicht bereit», gebe ich kleinlaut und ein wenig verzweifelt zu.

«Beruhigt Euch!», mit diesen Worten zieht er aus einem Seitenfach der Kutsche ein Märchenbuch hervor, «Hier. Wir haben noch knapp eine Stunde Fahrt vor uns. Ihr habt folglich genügend Zeit, eines der Märchen auszuwählen» und drückt mir das Buch in die Hand.

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

– 1 –

Adventsgeschichte 2025